Night of the Demons 2

Night of the Demons 2

Von Martin Schowanek

Sechs Jahre nach dem in Fankreisen durchaus beliebten NIGHT OF THE DEMONS, der auch in Deutschland zumindest auf Video erschienen war, kaufte die Spelling-Tochter Republic Pictures die Rechte auf und beauftragte Drehbuchautor Joe Augustyn eine Fortsetzung zu seiner Teenager-Spukhausstory zu schreiben.

Wie bei Sequels üblich, funktioniert die Story auf sehr ähnliche Weise: Angela, die im ersten Teil zur Dämonin geworden war, hat überlebt und residiert seitdem im Hull House, wo sich einst das Finale abgespielt hat. Obwohl sie durch die das Haus umgebenden Wasseradern gefangen ist, erscheint sie ihrer kleinen Schwester Melissa, die nach dem Selbstmord der Eltern zur Waise geworden ist und in einem Internat lebt, regelmäßig nachts im Traum. Angelas Plan ist es, Melissa zu sich zu locken, um sie dem Teufel zu opfern. Als Melissas Klassenkameraden an Halloween das Spukhaus zwecks einer Mutprobe betreten, treffen sie dort auf die Dämonin. Die Gruppe kann zwar zunächst fliehen, doch in Form eines Lippenstifts, den eins der Mädchen aus dem Haus entwendet, schafft es Angela ebenfalls, aus dem Haus zu entkommen. Sie ergreift nacheinander Besitz von den Teenagern und entführt ihre Schwester ins Hull House. Mit Hilfe der Nonne Gloria und deren Arsenal an geweihten Verteidigungswaffen gelingt schließlich Melissas Rettung und Angela wird durch Kontakt mit Sonnenlicht vernichtet.

Da Kevin Tenney, der den ersten Teil inszeniert hatte, nicht verfügbar war, wurde die Regie diesmal an Brian Trenchard-Smith (LEPRECHAUN 3 und 4) vergeben, der dafür sorgte, dass die Fortsetzung sich in zwei Punkten deutlich vom Original unterscheidet: Zum einen ließ es sich Trenchard-Smith nicht nehmen, aus zahlreichen anderen Horrorfilmen zu zitieren bzw. abzukupfern. Die Szene, wo der Lippenstift zum männlichen Geschlechtsteil wird, wiederholt im Grunde die berüchtigte Verge¬waltigungs¬szene aus Sam Raimis TANZ DER TEUFEL (THE EVIL DEAD). Sieht man das Spukhaus bei Nacht im Nebel, glaubt man eine Einstellung aus einem klassischen Mario-Bava-Film vor sich zu haben und die Schlussszene, in der oben genanntes Make-up-Utensil sich als noch immer dämonisch erweist, erinnert stark an das Ende von Brian De Palmas CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER. (Dass Handlung, Titel(!) und Dämonen-Make-Up 1:1 aus Lamberto Bavas DÄMONEN 1+2 (DEMONI 1+2) geklaut sind, gilt hingegen für alle drei Teile von NIGHT OF THE DEMONS und lässt sich nicht Trenchard-Smith anlasten.)

Zum anderen verlangte Trenchard-Smith von Drehbuchautor Augustyn, die Story humorvoller zu gestalten, worüber dieser nicht glücklich war. Das Ergebnis war, dass sich der Film zu keiner Sekunde ernstnimmt, wodurch die Goreszenen, die es eigentlich zuhauf gibt, zumindest auf der Gruselebene komplett verpuffen.

Während vorehelicher Sex in den Horrorklassikern der 1980er Jahre das Hauptmotiv für das gewaltsame Ableben der Protagonisten war, so ist Sex in NIGHT OF THE DEMONS 2 vor allem Teil des besagten überdrehten Humors. So wird Kurt von Shirley gezwungen nach einem Basketball zu greifen, den sie mit ihren Schenkeln festhält (was ihr im Anschluss Hausarrest einbringt und die Handlung so überhaupt erst in Gang setzt). Während ein Pärchen im Auto engumschlungen miteinander kuschelt, erscheint am besten Stück des Jungen eine dritte Hand, die er zunächst für die seiner Freundin hält. Auch wenn sich einmal zwei weibliche Brüste in fleischversengende Dämonenpranken verwandeln, sorgt das eher für einen Lacher als für Entsetzen.

Angesichts dieses grobschlächtigen Stils wirkt es fast wie ein Widerspruch, dass Trenchard-Smith immer wieder subtile Kleinigkeiten einbaut, die man erst bei einer zweiten Sichtung bemerken wird. So steht ein groß gezeigter Wecker auf sechs Uhr sechs und sechs Sekunden und der Spalt, aus dem zum Schluss das für Angela tödliche Tageslicht fällt, hinterlässt auf ihrem Körper Verbrennungen in Form eines Kreuzes.

Was dem Film durchaus Kultstatus eingebracht hat, ist die Figur der von Jennifer Rhodes (Penny ‚Grams‘ Halliwell in CHARMED – ZAUBERHAFTE HEXEN) gespielten Nonne Gloria, die sich als überaus weltlich erweist. Schlagfertig kontert sie Versuche ihrer Schülerinnen, sie im Sexualkundeunterricht zu brüskieren. Ihr langes hölzernes Lineal weiß sie wie einen Degen zu führen und als Waffe gegen die Dämonen setzt sie Weihwasserpistolen und einen zum Nunchaku umfunktionierten Rosenkranz ein.

Gedreht wurde der Film komplett on location in nur drei Wochen, wodurch die Produktionskosten extrem niedrig gehalten wurden, was man dem Film jedoch nicht unbedingt anmerkt. Einige Einstellungen aus Teil 1 wurden zwar gekonnt wiederverwendet, doch auch die Bilder von Kamerachef David Lewis wirken grundsolide. Das Dämonen-Make-up sowie die meisten Spezialeffekte wurden damals sogar noch von Hand gemacht, was sich uneingeschränkt auszahlt. Lediglich die Schlussszene enthält eine sehr billig wirkende CGI-Aufnahme. Gespart wurde allerdings bei den Weihwassertötungen, die so gut wie kein Gore enthalten, obwohl man sie gerade hier erwarten würde. Mehr als Nebel strömt aus den Dämonen nicht empor, wenn sie von Glorias Waffen niedergestreckt werden.

Vom Cast wäre noch Bob Jacobi (Perry) zu erwähnen, der zuvor in TREMORS – IM LAND DER RAKETENWÜRMER (1990) und später in PEARL HARBOR (2001) zu sehen war; Christine Taylor (Terri) hatte u.a. Auftritte in ZOOLANDER (2001) und TROPIC THUNDER (2008). Merle Kennedy (Melissa) spielte u.a. in JUNIOR (1994) und DER STURM (2000) von Wolfgang Petersen.

Mit seinem völlig ins Lächerliche gezogenen Horror ist der Film sicher eine Empfehlung für eine feuchtfröhliche Halloweenparty und weiß in dieser Hinsicht durchaus zu unterhalten. Intensiveren Grusel lässt die zuweilen recht aufgesetzte Coolness allerdings nicht aufkommen.

Anolis bringt diesen Mittelteil der NIGHT-OF-THE-DEMONS-Trilogie erstmals als Blu-Ray im Mediabook (zwei Covermotive) und liefert als Bonus sogar noch drei alternative Workprints des Films mit. Wer also eine Zeitreise zum leichtfüßigen Horrorfilm der 1990er Jahre unternehmen möchte, als das Genrekino noch nicht von Relaunches, Asia-Horror und torture porn bestimmt wurde, kann hier getrost einen Blick riskieren.

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Night Of The Demons 2, USA 1994 | Regie: Brian Trenchard-Smith | Darsteller: Amelia Kinkade, Christi Harris, Bobby Jacobi, Jennifer Rhodes, Rod McCary u.a.

Anbieter: Anolis