Little Joe - Kleiner Mann ganz groß: Joe Dallesandro

Andy Warhols Dracula"Little Joe never once gave it away
Everybody had to pay and pay
A hustle here and a hustle there
New York City is the place where they say
Hey babe, take a walk on the wild side"
Lou Reed: "Walk on the Wild Side"

Als die britische Independent-Band The Smiths 1984 ihr Debüt-Album veröffentlicht, ist auf dem Cover der nackte Oberkörper jenes Kult-Stars der 60er- und 70er Jahre zu sehen, der noch heute viele Augen zum Glänzen bringt: Joe Dallesandro.

Morrissey, der schwule Sänger der stilbildenden Band aus Manchester, hatte schon immer ein Faible für "schöne" Männer und Ikonen der Gay-Szene. So war er bereits in den 70er Jahren Vorstand des englischen New York Dolls-Fanclubs und veröffentlichte Anfang der Achtziger eine Biografie über James Dean. In Folge zieren u. a. Jean Marais, Terence Stamp, Candy Darling, Truman Capote oder Alain Delon die Plattencover sämtlicher Smiths-Alben.

Jenes gesichtlose Oberkörper-Porträt Joe Dallesandros hingegen, eine Aufnahme aus FLESH, huldigt nicht nur dem Waschbrett-Bauch, sondern bringt vor allem die Merkmale dieses Underground-Stars auf einen Nenner. Allerdings ist bereits 1974 Joes Gürtellinie auf dem legendären Andy Warhol-Zipper-Cover des Rolling Stones-Albums "Sticky Fingers" verewigt.

Joseph Angelo D'Allesandro III wird am 31. Dezember 1948 in Pensacola, Florida als Sohn eines italo-amerikanischen Matrosen geboren. Da seine 15-jährige Mutter nicht der Aufgabe gewachsen ist, Kinder großzuziehen, kommen Joe und sein jüngerer Bruder Robert in ein Kinderheim nach New York. Seine Kindheit und Jugend könnten einem billigen Groschenroman entstammen, da Joe die typische Laufbahn eines Juvenile Delinquent durchlebt. Nachdem er immer wieder von seiner Pflegefamilie ausreißt und sogar seinen Schuldirektor ohrfeigt, wird er von der Schule verwiesen. Er treibt sich mit seiner Gang in den Straßen von New York herum und begeht ganz nach dem Vorbild seines damaligen Lieblingsfilms WEST SIDE STORY, kleinere kriminelle Delikte. Aufgrund eines Autodiebstahls kommt es zu einem Feuergefecht mit der Polizei. Joe wird von einer Kugel am Knie getroffen, verhaftet und in eine Besserungsanstalt eingewiesen. Dort entsteht auch jenes legendäre Tattoo auf seinem rechten Oberarm: Little Joe! Diese Tätowierung ist in späterer Folge auch der Grund, warum Joe Dallesandro in seinen meisten Filmrollen Joe heißt.

Sein Spitzname "Little Joe" rührt übrigens von seiner geringen Körpergröße, knapp 1,52 m, die ihn schon in Jugendjahren zu Minderwertigkeitskomplexen treibt. Nach einer erfolgreichen Flucht nach Mexiko, gelangt der 16-jährige schließlich nach Los Angeles, wo er erstmals für schwule Nacktaufnahmen in einschlägigen Beefcake-Magazinen posiert. Zurück in New York heiratet er die minderjährige Leslie, mit der er seinen ersten Sohn Michael bekommt. Nach einigen Monaten entflieht Joe jedoch dem kleinbürgerlichen Mief Brooklyns und treibt sich in den stadtbekannten Strichervierteln um den Times Square herum... a hustle here and a hustle there. Ein Freund nimmt ihn schließlich auf einen Besuch in die Factory mit, jene Kreativ-Schmiede und Stammhaus des Künstlerclans um Andy Warhol, die in den Sixties das Non Plus Ultra des schicken Undergrounds bildet. Selbsternannte "Superstars" wie Edie Sedgwick, Ultra Violet, Viva, Candy Darling, Mary Woronov oder Nico bevölkern Andys Studio. Aus Spaß läßt sich Joe nackt bis auf die Unterhosen filmen und begründet damit seinen spektakulären Einstieg ins Filmgeschäft. Diese legendären Filmszenen bilden einen Hauptteil des Werkes THE LOVES OF ONDINE. Andy Warhols Hausregisseur Paul Morrissey ist dermaßen von Joe begeistert, daß er ihn bereits für sein nächstes Werk, den abstrusen Psychedelic-Western LONESOME COWBOYS engagiert. Die Dreharbeiten in Arizona gestalten sich für alle Beteiligten zur vollsten Zufriedenheit, so daß Joe auch für Warhols nächstes Werk SAN DIEGO SURF (bis heute unveröffentlicht) in Kalifornien zur Verfügung steht.

Im Juni 1968 entrinnt Andy Warhol beim Schußattentat durch die radikale Feministin Valerie Solanas nur knapp dem Tod. Die von Andy zurückgewiesene Valerie Solanas wird vor allem durch ihr Manifest S.C.U.M. (Society for Cutting Up Men) bekannt und bekommt 1996 mit Mary Harrons (demnächst mit AMERICAN PSYCHO in den Kinos) Film I SHOT ANDY WARHOL ein filmisches Denkmal.

Wegen Warhols gesundheitlicher Probleme übernimmt Paul Morrissey das filmische Ruder in der Factory und wird Dallesandros Mentor. Die folgenden drei Filme bilden den Höhepunkt im filmischen Schaffen der Warhol-Clique und vor allem in Joes Karriere.

FleshFLESH wird mit dem Mini-Budget von 4.000 Dollar an nur zwei Wochenenden abgedreht und ebnet dem Underground-Film den Weg in die großen Kinos. Allein in Deutschland sehen 3 Millionen Zuschauer den "Skandalfilm". Beim Münchener Filmfest erhält Joe Dallesandro sogar den Preis als bester Hauptdarsteller. In London stürmen Polizisten die Kinosäle in denen FLESH läuft und verhaften die Zuseher. FLESH zeigt nicht nur zum ersten Mal frontal einen nackten Mann (und das schon in den ersten Filmminuten), sondern bietet von seinem Inhalt her viel Diskussionsstoff für Zuschauer und Zensoren. Dallesandro spielt den jungen Stricher Joe, der für den Schwangerschaftsabbruch der Freundin seiner Frau Geld auftreiben muß. Die Kamera ist fixiert auf Joes makellosen Körper und sein ebenmäßiges Gesicht. Joe Dallesandro übt mit seinem Unisex-Glamour eine unbeschreibliche Faszination sowohl auf Männer, als auch auf Frauen aus. Er ist nicht nur eine der wichtigsten Ikonen und Pin Ups der Gay Community, gerade zu jener Zeit als die Schwulenbewegung durch den Stonewall-Aufstand in Greenwich Village ihr großes Coming Out hatte, sondern ist auch, besonders in seinem Privatleben, von Frauen begehrt. 1969 dreht John Schlesinger sozusagen als filmisches Äquivalent zu FLESH MIDNIGHT COWBOY (ASPHALT-COWBOY) mit Jon Voight und Dustin Hoffman, die Geschichte eines Provinz-Cowboys, der sich in New York als Gigolo durchschlägt. Dieser Film wird trotz X-Ratings mit dem Oscar ausgezeichnet (einmalig in der Filmgeschichte). Für eine Glam-Party im Warhol-Stil wollte Schlesinger sogar "echte" Factory-Stars wie Viva und Joe Dallesandro, was letztendlich nicht zustande kam.

Vor einigen Jahren wollte Madonna für ihren Videoclip zu "Deeper and Deeper", eine Hommage an die coolen Parties der Factory, unbedingt Joe Dallesandro engagieren, der jedoch ablehnte. Statt dessen nimmt ein junger Joe-Lookalike dessen Platz ein und Udo Kier spielt einen sleazy Party-Tiger.

1970 setzt Paul Morrissey seinem Star mit dem Junkie-Drama TRASH ein filmisches Denkmal. Joe spielt hier einen heruntergekommenen Fixer, der versucht, im Großstadtdschungel zu überleben. Nie wieder ist es gelungen, einen Schauspieler trotz fettiger langer Haare und pickeligem Po so sexy aussehen zu lassen. Joe ist die ideale Verkörperung des abgefuckten Junkies, der an seiner, durch die Drogen ausgelösten, Impotenz leidet.

Einer der emotionalsten Momente des Films ist die legendäre Szene, in der Holly Woodlawn (neben Candy Darling und Jackie Curtis, der berühmteste Transvestit aus Warhols Clique) sich mit einer Bierflasche befriedigt, da Joe keinen hochkriegt. Sie halten währenddessen Händchen und eine Großaufnahme zeigt Joes tränengefülltes Auge. Die Fix-Szenen in TRASH gehörten nicht nur seinerzeit zu den abstoßendsten Darstellungen, sondern haben auch heute noch trotz TRAINSPOTTING, nichts von ihrer Wirkung eingebüßt. Erst vor wenigen Monaten feierte TRASH in Los Angeles und New York in ausgewählten Kinos seine vielbejubelte 30-jährige Wiederaufführung.

Joe Dallesandro führt zu jener Zeit im Gegensatz zu seinen Filmcharakteren ein biederes Ehe- und Familienleben mit seiner Frau Terry und seinem zweiten Sohn Joe jr.

TrashJoe wird durch FLESH und TRASH zum heißbegehrten It-Boy der frühen Seventies. Hochglanzmagazine wie "Rolling Stone" oder "Vogue" reißen sich um Interviews und Top-Fotografen wie Richard Avedon und Francesco Scavullo halten die faszinierende Schönheit Joe Dallesandros für die Nachwelt fest.

Sogar Francis Ford Coppola will den New Yorker Subkultur-Star zu Screen-Tests für THE GODFATHER (DER PATE) nach L.A. holen. Joe wird jedoch dermaßen von Morrissey und der Factory vereinnahmt, daß nichts aus dem Projekt wird.

1972 entsteht der dritte und letzte Teil der Trilogie HEAT (HOLLYWOOD). Auch dieser Film bekommt wegen gewagter Szenen in den USA ein X-Rating. In Italien ist lange Zeit die Warhol-Trilogie verboten. In Deutschland wird sogar das Filmplakat zensiert, da man Joes Schamhaare sehen kann. HEAT wird auch gern als die Underground-Antwort auf Billy Wilders SUNSET BOULEVARD (BOULEVARD DER DÄMMERUNG) gesehen. Auch in diesem Film kann Joe seine physische Attraktivität voll ausspielen. Er wird u. a. von einer Lesbe, einer ekligen Motel-Besitzerin (Pat Ast) und nicht zuletzt von der alternden Film-Diva Sally (Sylvia Miles) begehrt und als Sex-Objekt benutzt.

Zeitgleich zu Morrisseys Trilogie FLESH, TRASH und HEAT, die dem US-Underground-Film den Weg in die Mainstream-Kinos ebnet, entsteht in good old Europe die sogenannte "Götterdämmerungs-Trilogie" von Meisterregisseur Luchino Visconti: LA CADUTA DEGLI DEI (DIE VERDAMMTEN), MORTE A VENEZIA (TOD IN VENEDIG) und LUDWIG (LUDWIG II). Was Joe Dallesandro für Andy Warhol und Paul Morrissey ist, ist gleichzeitig Helmut Berger für seinen Maestro Luchino Visconti. Auch Helmut Berger besitzt diese dekadente Ausstrahlung, die beide Geschlechter fasziniert. Beide Schauspieler haben keine Probleme damit, ihre makellosen Körper auch hüllenlos auf der Leinwand zu zeigen. Auch im Umgang mit Homo- und Bisexualität sind beide geübt. Legendär ist Helmut Bergers Auftritt als Marlene Dietrich in LA CADUTA DEGLI DEI, der sogar Marlene selbst zu Bewunderungsbriefen hinriß. Eine Parallele zu beiden Schauspielern ist auch die Tatsache, daß sowohl der Italo-Amerikaner als auch der Österreicher in den jeweiligen Trilogien die besten schauspielerischen Leistungen ihrer Karrieren erbringen. Keiner von beiden kann später je wieder solche Höhepunkte erklimmen. Und beide dümpeln in den 70er Jahren in unzähligen italienischen B-Movies herum, um sich privat dem Suff zu ergeben.

Auf einer jener Jet-Set-Parties von Luchino Visconti Ende der 60er Jahre ist auch Udo Kier.

Er spielt 1974 in Italien die Rolle des perversen Baron Frankenstein in IL MOSTRO È IN TAVOLA, BARONE FRANKENSTEIN (ANDY WARHOL'S FRANKENSTEIN). In diesem Film ist Joe in der Rolle des Hausangestellten Nicholas zu sehen, der nicht nur die nymphomane Schwester des Barons befriedigt, sondern auch miterlebt, wie der Kopf eines Schloßgastes für die grausigen Experimente des Barons herhalten muß. Obwohl auf den italienischen Plakaten Antonio Margheriti (Anthony M. Dawson) als Regisseur von FRANKENSTEIN und DRACULA genannt ist, hatte bei beiden Filmen Paul Morrissey die Regie. IL MOSTRO È... ist nicht nur der erste Film der Warhol-Factory, der in 35mm gedreht wird, sondern auch in 3-D.

Im Anschluß an die Dreharbeiten zu FRANKENSTEIN, widmet sich Morrissey am gleichen Set ebenfalls mit Udo Kier und Joe Dallesandro seiner Dracula-Verfilmung. DRACULA CERCA SANGUE DI VERGINE E ... MORI DE SETE (ANDY WARHOL'S DRACULA) ist die blutige Pop-Art-Adaption der Story des untoten Grafs. Udo Kier ist in der Rolle Draculas zu sehen, der zum Überleben unbedingt Jungfrauenblut braucht, ein schier unmögliches Unterfangen in heutigen Zeiten, da er sonst sämtliche Klomuscheln vollkotzt. Joe versucht in seiner Rolle als marxistischer Hausmeister die weiblichen Opfer des Vampirs zu retten. In einer der Schlüsselszenen entjungfert er eines der Mädchen, um es vor Dracula zu schützen. Dieser leckt später gierig das Blut auf, das bei der Defloration auf den Boden getropft ist. Während der Dreharbeiten zu DRACULA... lernt Dallesandro die junge Schauspielerin Stefania Casini (Genre-Fans aus SUSPIRIA und SOLAMENTE NERO bekannt) kennen und lieben. Er trennt sich von seiner Ehefrau Terry und bleibt in Italien bei Stefania. In Europa dreht Joe zwischen 1974 und 1979 nicht weniger als 18 Filme.

Andy Warhols FrankensteinLaut seinem Agenten ist er jedoch dazu verpflichtet, mindestens einen Kunst-Film pro Jahr zu drehen. Er arbeitet in den folgenden Jahren mit namhaften Regisseuren wie Louis Malle, Walerian Borowczyk, Jacques Rivette oder Serge Gainsbourg zusammen. Die meisten seiner europäischen Werke sind jedoch der Gattung übelster Schund und Trash zuzuordnen. Dallesandro ist in jenen Exploitation-Filmen vor allem als Terrorist, Biker oder Krimineller zu sehen - mit Hauptaugenmerk auf seinen sexuellen Aktivitäten. Einer der Höhepunkte in seiner europäischen Karriere ist 1975 der französische Kultfilm JE T'AIME MOI NON PLUS (JE T'AIME).

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Skandal-Song von 1969, der Jane Birkin mit ihrem Gestöhne über Nacht zum Star machte. Der Film Serge Gainsbourgs erzählt die Dreiecksgeschichte zwischen der knabenhaften Kellnerin Johnny (Jane Birkin) und dem schwulen LKW-Fahrer-Pärchen Krassky (Joe Dallesandro) und Padovan (Hugues Quester).

Krassky treibt es mit seiner neuen Freundin Johnny an den ungewöhnlichsten Orten, wie auf der Ladefläche des Müllwagens, da sie beim Analverkehr vor Schmerzen so laut schreit. Sein eifersüchtiger Lover Padovan will Johnny daraufhin sogar mit einer Plastiktüte ersticken. Joe Dallesandro liefert mit JE T'AIME... eine wunderbare Arbeit ab, die ohne weiteres an seine Warhol-Zeiten anschließen kann. Seine wortkarge, männliche Darstellung des Müllfahrers Krassky zählt noch heute zu seinen faszinierendsten Rollen.

Zu jener Zeit ist Joe privat schon ziemlich durch seine Drogen-und Alkohol-Exzesse mitgenommen. Eine Flasche Whisky pro Tag ist für ihn keine Seltenheit.

1976 dreht er unter der Regie von Walerian Borowczyk LA MARGE (EMANUELA 77 - LA MARGE). Er spielt einen biederen Familienvater, der sich auf seinen zahlreichen Geschäftsreisen mit der Luxus-Nutte Diana (the one and only Sylvia Kristel) vergnügt. Der Film schwimmt auf der Welle der damals ach so populären Softsex-Filme wie EMMANUELLE, DIE GESCHICHTE DER O oder MADAME CLAUDE UND IHRE GAZELLEN. Der deutsche Verleihtitel versucht sogar mit Krampf den Bezug zu Emmanuelle (aufgrund der Tatsache, daß Sylvia Kristel die Hauptrolle spielt) herzustellen und die deutsche Synchronisation verstümmelt das Psychodrama vollständig.

1977 erhält Joes Privatleben einen weiteren Tiefschlag. Sein Bruder Robert begeht durch den "Magic Trick" (Selbststrangulation, um sexuelle Luststeigerung zu erzielen - eine Todesart, der auch INXS-Sänger Michael Hutchence zum Opfer fiel) Selbstmord.

Als auch noch seine Beziehung mit Stefania Casini in die Brüche geht, ist Joe ziemlich am Ende. Er dreht in Italien u. a. noch SUOR OMICIDIO mit Anita Ekberg als Killer-Nonne und in Frankreich unter der Regie von Jacques Rivette MERRY-GO-ROUND. Die Dreharbeiten werden jedoch durch einen Selbstmordversuch der Hauptdarstellerin Maria Schneider überschattet.

1980 kehrt Joe Dallesandro endgültig in die USA zurück, wo er sich in Therapie begibt, um seiner Alkoholsucht Herr zu werden. 1984 besetzt ihn Francis Ford Coppola als Gangsterboss Lucky Luciano in COTTON CLUB. Nach langem vergeblichen Warten hat Joe endlich in Hollywood Fuß gefaßt. Er spielt in mehr oder weniger unwichtigen Mainstream-Produktionen wie CRITICAL CONDITION, DOUBLE REVENGE oder SUNSET. Er hat Auftritte in zwei MIAMI VICE-Folgen und bekommt 1986 seine eigene TV-Serie FORTUNE DANE, doch die erfolglose Cop-Serie wird nach nur sechs Folgen eingestellt.

1988 heiratet er zum dritten Mal. Die Ehe mit der Songwriterin Kim hält jedoch nur sieben Jahre. 1990 spielt er in John Waters CRY- BABY eine wichtige Nebenrolle. Die 90er Jahre bringen ihm anfangs Rollen in Filmen wie GUN CRAZY als Stiefvater Drew Barrymores oder in WILD ORCHID II - TWO SHADES OF BLUE als schmierigen Club-Manager, der die blutjunge Hauptdarstellerin verführt. 1995 engagiert ihn der Modemacher Calvin Klein für seine erfolgreiche Parfum-Werbecampagne an der Seite von Top-Model Kate Moss. Little Joe ist wieder groß da - überdimensional auf Plakatwänden und in Werbespots! Zuletzt wirkt er in kleinen aber feinen Nebenrollen in den Filmen L.A. WITHOUT A MAP von Mika Kaurismäki, THE LIMEY von Steven Soderbergh und CITIZENS OF PERPETUAL INDULGENCE von Alex Monty Canawati mit. In letzterem ist er wieder an der Seite von Udo Kier zu sehen.

Joe Dallesandro prägte wie kein anderer das Bild des männlichen Sex-Symbols außerhalb des gängigen Hollywood-Klischees. Sein wortkarges Spiel und seine unglaubliche physische Präsenz verführen das weltweite Publikum auch heute noch, 33 Jahre nach seinem ersten Leinwandauftritt... damals als ein junger blonder Mann sich bis auf seine Jockey-Slips auszog.

Ohne eine Spur seines sonstigen Sarkasmus äußerte sich schließlich auch John Waters über Joe Dallesandro: "Er hat für immer die männliche Sexualität im Kino verändert!"

Irma Dolezal

erschienen in Splatting Image Nr. 42 - 06/00