| Michele Soavi |
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erschienen in Splatting Image Nr. 23 - 9/95
DELLAMORTE DELLAMORE ist wesentlich humorvoller inszeniert als deine ersten drei Filme... Ja, ich mag die Verbindung von Humor und Horror und habe den Film selbst produziert, weil ich etwas anderes machen wollte, als die zwei Filme, die Dario produziert hatte. Es ist langweilig, immer das gleiche zu machen, daher wollte ich diesem Film ein anderes Gewand verpassen. Ein Risiko war es schon, einen solch ungewöhnlichen Film mit einem fast britischen Sinn für Schwarzen Humor zu drehen. Diese hintersinnige Ironie ist nicht üblich in italienischen Filmen. Wie hast du die Europäische Filmförderungskommission (Eurimages Fund Of The Council Of Europe) dazu gebracht, dir Geld für den Film zu geben? Wir haben ihre Bedingungen erfüllt, daß drei europäische Länder an einem Film beteiligt sein müssen. DELLAMORTE DELLAMORE ist eine italienisch/französisch/deutsche Koproduktion. Wir haben der Kommission ein Drehbuch geschickt und sie mochten es. Filmförderungsgelder für einen Zombiefilm? Ist das nicht sehr ungewöhnlich? Wir konnten sie überzeugen, daß dies kein "normaler" Horrorfilm ist. Sie fanden das Drehbuch interessant. Der Charakter Dellamortes reflektiert die heutige Jugend: Er ist zwar schon dreißig, hat aber Angst, erwachsen zu werden und mit dem richtigen Leben konfrontiert zu werden. Dellamorte ist einsam und melancholisch. Er tut gefühllos seinen Job, tagsüber begräbt er Leute, die er nachts wieder erschießen muß. Der Film handelt von lebenden Toten und von sterbenden Lebenden. Der Friedhof, die Welt des Francesco Dellamorte, steckt voller Leben, während die "lebende" Welt drumherum eher wie ein Friedhof wirkt. Am Ende des Filmes verschwimmen die Grenzen dieser zwei Welten. Wie bist du an Rupert Everett für die Hauptrolle gekommen, es gab Gerüchte, daß Matt Dillon sie bekommen sollte? Ich finde, daß der Film eine sehr "europäische" Story hat und ein europäischer Schauspieler einfach besser in die Rolle paßt. Ruperts unterkühlte Art war perfekt für den Charakter des Francesco Dellamorte. Außerdem war Rupert Everett das Vorbild der "Dylan Dog"-Comicfigur, welche von Tiziano Sclavi, dem Autor der DELLAMORTE DELLAMORE Romanvorlage, geschaffen wurde. Als Rupert das Drehbuch las, mochte er es sofort. Er hatte noch nie einen Horrorfilm gemacht, was dieser Film auch an sich nicht ist, eher ein Film über die Furcht vor dem Leben. Das Ex-Model Anna Falchi verkörpert drei verschiedene Charaktere im Film... Wenn Francesco Dellamorte sich verliebt, verliebt er sich in sein bestimmtes Idealbild einer Frau. Deshalb sollte eine Schauspielerin alle drei Rollen spielen. Anna war der perfekte Typ dafür. Du hast bei der Musik deiner Filme unter anderem mit Simon Boswell, Goblin und Keith Emerson zusammengearbeitet. Wie kamst du an Manuel de Sica für DELLAMORTE DELLAMORE? Tangerine Dream hatten sich ursprünglich bereiterklärt, den Soundtrack einzuspielen. Sie konnten aber wegen anderweitiger Verpflichtungen die Musik nicht rechtzeitig abliefern. De Sica ist sehr flexibel. Es war einfach, ihm klarzumachen, was für Musik ich haben wollte. Außerdem war er in Rom, so daß ich eng mit ihm zusammenarbeiten konnte. Gibt es gravierende Unterscheide zwischen der DELLAMORTE DELLAMORE-Romanvorlage und eurem Drehbuch? Im Roman ist Francesco Dellamortes Charakter zu negativ dargestellt, das wollte ich ändern. Der Film sollte klar strukturiert sein. Das Buch ist fragmentarisch, episodenhaft... und wesentlich blutrünstiger! Du hast in der Filmbranche zuerst als Schauspieler angefangen... Ich wollte nach der Schulzeit im Filmgeschäft Fuß fassen, und dachte, als Schauspieler sei das am einfachsten. Meine ersten Jahre als Darsteller nutzte ich hauptsächlich, um den Filmemachern bei der Arbeit zuzuschauen. Allmählich konnte ich auch hinter der Kamera tätig werden: Als Zweiter Regieassistent, Schnittassistent, Kulissenbauer... ich habe fast alles gemacht. Erzähle von deinen Lehrmeistern... Aristide Massaccesi (Joe D'Amato). Er hat mir die Essenz des Filmemachens gezeigt. Seine Filme entstehen mit einer sehr kleinen Crew, in fast familiärer Atmosphäre. Bei ihm wird alles auf's Notwendigste reduziert. Dario Argento... Er hat mir eher technische Dinge beigebracht. Mit ihm in der Post-Produktion und beim Schnitt wurde mir klar, was Regieführen wirklich bedeutet. Terry Gilliam (Soavi war Second Unit Director bei THE ADVENTURES OF BARON MUNCHHAUSEN)... Gilliam zeigte mir andere Aspekte der Arbeit eines Regisseurs, wie zum Beispiel Schauspielerführung und das Entwickeln von Charakteren. War DELLAMORTE DELLAMORE in Italien ein Erfolg? Ja, zum Glück. Die europäische Horrorfilmtradition ist in den letzten zehn Jahren irgendwie verlorengegangen. Die Zukunft sieht nicht rosig aus. Das Interview führte Frank Brauner |