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Nico Mastorakis PDF Drucken E-Mail
erschienen in Splatting Image Nr. 05 - 12/90

Nico MastorakisHerr Mastorakis, Ihr zweiter Spielfilm ISLAND OF DEATH ist ein sehr brutaler und blutiger Film. War Ihr erster Film - von dem man hierzulande nichts gehört hat - auch von diesem Kaliber?

DEATH HAS BLUE EYES war ein Psycho-Thriller über ein Mädchen, das durch Gehirn-Kontrolle zu einer Art Zeitbombe aktiviert werden kann. Das war ein total anderer Film, völlig ohne Blut. Aber ISLAND OF DEATH ist hart, blutig, pervers und alles, was immer sie auch möchten. Und das nur deshalb, weil ich damals eine sehr naive Herangehensweise hatte, um in den internationalen Markt zu stoßen, über den ich nichts wußte zu der Zeit. Um diesen Film ins Ausland zu verkaufen, dachte ich, müßte es ein sehr harter, angreifender sein. Um ihn so zu machen, lud ich hin voll mit all den unmöglichen Dingen, die meinen Träumen entsprangen.

Haben Sie auch die Kameraführung zu dem Film gemacht?

Von den vier Wochen Drehzeit war ich zwei Wochen der Kameramann, weil mein Kameramann durch Verzögerungen bei einem anderen Film nicht rechtzeitig auf die Insel kommen konnte, auf der wir den Film drehten. Er rief im letzten Moment an und fragte, ob ich auf ihn warten könne. Aber ich konnte auf niemanden warten, denn mir stand nur ein Budget von 30.000 Dollar zur Verfügung. So entschloß ich mich das selbst zu tun: die Kameraführung, das Licht - es war alles ganz einfach - und ich spielte sogar eine kleine Rolle, weil ich kein Geld hatte, um den Schauspieler zu bezahlen.

Waren Sie durch andere Horrorfilme inspiriert, wie z. B. THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE?

Zu der Zeit kannte ich diese Filme noch nicht, weil mich meine Arbeit beim Fernsehen dermaßen beanspruchte, daß ich keine Zeit hatte, sie mir anzusehen, und so hatte ich keine Möglichkeit, zeitgemäße Erfolgsfilme zu imitieren. ISLAND OF DEATH entstand völlig aus dem Bauch heraus. Ich setzte mich hin und machte eine Liste der blutigen. der perversen und der Sex-Szenen. Und dann begann ich das Drehbuch zu schreiben - zwei Wochen vor Drehbeginn. In Griechenland gab es keine amerikanischen oder englischen Schauspieler, so nahm ich Leute von der Straße und machte sie zu meinen Darstellern. Mir standen ein paar Models zur Verfügung, die zwei Wochen auf der Insel wohnten. Außerdem fischte ich noch ein paar Touristen aus den Gassen und fragte sie: "Würden Sie gerne Schauspieler sein?" "Sicher will ich!" - "OK, hier ist Ihr Dialog."

Aber Sie waren sich schon im Klaren darüber, daß es in den 70ern einen enormen Aufschwung für Gore-Filme gab?

Natürlich war ich nicht ganz weltfremd. Ich hatte von TCM und seinem Erfolg gehört. Da ich bereits einen Film gemacht hatte, der nur deshalb kein Erfolg war, weil er so leichtherzig war, sagte ich mir "Fine!". ISLAND OF DEATH zeigte ich dann auch, als er fertiggestellt war, sogleich einem englischen Verleih - und Sie wissen, die Engländer sind sehr konservativ in dieser Hinsicht -, und sie sagten: "Wow! Wir glauben, der wird Geld machen, den kaufen wir!". Und damals gab es noch kein Video, die Gewinne wurden nur aus den Kinoauswertungen gezogen. Der Film wurde auf der ganzen Welt gespielt, und war auch ein großer Erfolg in Japan. Im Nu hatte er das Zehnfache seines Budgets eingespielt, und er macht immer noch Geld...

Ja, der Film ist heutzutage noch eine 'Legende'...

Ich hoffe es... alles aus Ignoranz. Kultfilme werden aus totaler Unwissenheit geboren und nicht aus irgendeiner Formel, die sorgfältig aufgestellt wurde. Das entsteht alles aus Ignoranz, wie Helden, die nur deshalb so tapfer waren, weil sie nicht wußten, was ihnen bevorstand.

Ihre nachfolgenden Filme - SKY HIGH, TIME TRAVELLER, BLIND DATE, THE WIND etc. - sind ja recht harmlos im Vergleich zu ISLAND OF DEATH...

Das sollten Sie auch, denn wie ich bereits sagte, ISLAND OF DEATH war ein Produkt reiner Ignoranz. Damals wußte ich noch nicht, wie weit man gehen kann. Als ich mich dem Mainstream zuwandte...

..aber ISLAND OF DEATH war dafür ein etwas persönlicherer Film, denken Sie nicht?

Nein, nicht wirklich. Meine Persönlichkeit drückt sich weder in ISLAND OF DEATH noch in z. B. BLIND DATE aus, denn ich bin kein gewalttätiger Mensch. Manchmal mag ich es, mir Stories auszudenken, die gewalttätig, blutig, spannungsreich oder all das sind, was nicht in mir steckt. Das ist für den Autor eine Art der Flucht. Denn gewöhnlich schreibt man über das, was man nicht ist. Würde man nur über sein Leben schreiben, wäre man doch schrecklich gelangweilt.

Könnten Sie sich vorstellen, nochmal einen dermaßen brutalen Film zu drehen?

Nein, ich halte nichts von übertriebener Gewalt im Film. Man kann Gewalt auch so darstellen, daß sie sich nur in den Köpfen der Zuschauer abspielt.

Ist das nicht schon wegen der Zensur unmöglich?

Ja, selbst Leute, wie David Lynch, die das Bedürfnis haben, sich durch ihre Filme auszudrücken, müssen Kompromisse eingehen, indem sie Szenen schneiden. Mittlerweile existiert auf der ganzen Welt ein Konservativismus, der anfängt, den Künstler unterschwellig in seiner Ausdrucksweise einzuschränken.

Könnten Sie uns etwas über Ihren Kampf gegen die MPAA erzählen?

Das begann mit IN THE COLD OF THE NIGHT. Ich drehte die Liebesszenen streng nach den Vorschriften, um ein R-rating zu bekommen. Ich hatte mir angesehen wie weit z. B. BREATHLESS und NINE AND A HALF WEEKS gingen, die beide viele Sexszenen besaßen, aber weit davon entfernt waren, pornographisch zu sein. Denn ich glaube, es gibt eine sehr klare Vorstellung von Pornographie. Aber, der Unterschied zwischen diesen beiden und meinem Film war: Meiner war unabhängig produziert und die anderen waren Studio-Produtkionen, die dem System angehörten, welches die MPAA blind unterstützt. Deshalb gab sie mir ein X-rating. Zur selben Zeit gaben sie auch Pedro Almodovars TIE ME UP - TIE ME DOWN, THE COOK, THE THIEF... und dem chinesischen Film LIFE IS CHEAP BUT TOILETPAPER IS EXPENSIV ein X-rating. Auch HARDWARE bekam eines. Die Firma Miramax ging gerichtlich dagegen vor. Ich auch. Miramax verlor den Rechtstreit, aber die Richter verfaßten ein fünfzehnseitiges Referendum gegen die MPAA, in der sie angeklagt wurde, nur dem Studiosystem zu dienen. Ich ging anders an die Sache heran. Ich verklagte die MPAA dafür, daß sie mir ein Rating gegeben haben, auf das sie keine Rechte besitzen, denn ich hatte ja für die Prüfung des Films 2.000 Dollar bezaht, und man kann ja nichts verkaufen, was man nicht besitzt. Das alles hatte sehr große Publicity. Denn auch die Presse war gegen dieses unlogische Prinzip, übermäßiger Gewalt, wie sie Studio-Produktionen wie TOTAL RECALL zu sehen ist, ein R-rating zu geben, aber sobald ein bißchen Fleisch oder Sex ein X zu verpaßen und als Pornofilmer deklassifiziert zu werden.

Unglaublich,daß noch kein anderer vorher auf Ihre Idee gekommen ist.

Alle dachten, sie hätten das Copyright auf das X. Ein Fehler, den die MPAA dann machte, war, HENRY AND JUNE ein X zu verpassen. Das war ein fundamentaler Fehler, denn der Chef von Universal griff sofort zum Telefonhörer: "What the fuck are you doing? You givin' my movie an X, you're dead!". Und plötzlich wurde das System geändert. NC-17 kam plötzlich aus dem Nichts, und alle jubelten. Jeder sagte: "Das ist mein Sieg!" Miramax, Mega ... einfach jeder. Hell! We didn't win! Wir, als unabhängige Firmen, haben keine Chance, gegen so ein stereotypes, korruptes System vorzugehen. Hätte Universal kein X bekommen, wäre das System immer noch so wie vorher.

Interview: Thomas Schweer und Axel Estein

 



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