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Splitter im Gewebe der Existenz: Nicolas Roeg |
Nichts ist wahr. Alles ist erlaubt. (William Burroughs, Naked Lunch) Nichts ist, was es scheint. (John Baxter in Don't Look Now) 1. Montage und Destruktion Harte Schnitte: Eine Rakete startet zur Reise ins All. Ein schwarzer Rolls Royce gleitet durch eine ländliche Umgebung. Der nackte James Fox drapiert seine Gespielin zwischen den Laken. Wenn die Rakete die Atmosphäre verläßt, betrachtet er sich beim Liebesspiel selbst im Spiegel. Der Rolls Royce kommt schließlich vor einem Pub zum Stehen. PERFORMANCE (1968) läßt von Anfang an keinen Zweifel an seiner Ambition, Barrieren durchbrechen, Realitätsebenen verlassen und Bewußtseinströme lenken zu wollen. "Das hat die Präzision und Gestalt eines Resnais-Films, und dennoch ist es knallig und wunderschön (...). Tatsächlich bezeichnet man diese Technik heute als ‘Nicolas Roeg'", sagte Donald Cammel, der Co-Regisseur und Autor des Films in seinem letzten Interview. |
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Handlanger der Macht: J.T. Walsh |
J.T. Walsh ist gestorben. Sein Tod war gerade mal 15 Zeilen in der L.A. Times wert. Dabei spielte dieser Mann, den ein Kritiker als den "sparsamsten und unsichtbarsten Schauspieler der letzten Dekade" bezeichnet hat, in nicht einmal fünfzehn Jahren in über 50 amerikanischen Kino- und Fernsehfilmen.
J.T. Walsh verabschiedete sich so unbeachtet aus dem Leben, weil er es in seiner Laufbahn als Filmschauspieler zu keiner einzigen Hauptrolle gebracht hat. Seine Leinwandpersönlichkeit war dazu bestimmt, in Nebenrollen auf die Bewegungen der Hauptfiguren zu reagieren. |
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Roland allein zu Haus?: Roland Klicks Exile on Mainstream |
Reden wir nicht über über DEN "Deutschen Film". Auch Roland Klick würde das nicht wollen.Das Thema ist bei ihm lange durch. Obwohl er Grund genug hätte, an dem Unrecht noch Zeit seines Lebens zu knabbern und sich in Selbstmitleid und Haßtiraden zu vergraben. Er hatte immer nur das Beste gewollt, für sich und den Zuschauer und eben jenen o.g. deutschen Film, es aber letztlich nie allen Recht machen können. Jedes neue Filmprojekt wurde zu einem erneuten Hindernislauf durch die Wirren der deutschen Filmförderung, inkompetenter Produzenten-Stäbe und des ungeliebten Feuilletons. In den 60ern/70ern hatte speziell die genußfeindliche Linke, die den Jungen Deutschen Film für sich annektiert hatte, Klick gefressen und jeden seiner Filme blindwütig in der Luft zerrissen. |
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Ein Traum vom Sein - Das kurze Leben eines kanadischen Genies: Jean-Claude Lauzon (1953 - 1997) |
Jean-Claude Lauzon ist ein unerschöpfliches Nervenbündel. Er spricht schneller, als er denkt. Da er eine eher bewegte und ziemlich schwere Jugend hatte, bringt er eine reiche Erfahrung mit, die er in seinen Filmen verarbeitet. Darum gibt es auch für alles eine Erklärung; er nennt die Dinge beim Namen und schämt sich nicht, seine Hintergedanken zu verraten." (Sylvie Pagé, Filmemacherin und Kollegin Lauzons) 1. Traumzeit "Weil ich träume, bin ich nicht." Es ist die Unvereinbarkeit von Traum und Leben, von Ideal und Wirklichkeit, die den zweiten großen Film - LEOLO (1991) - von Jean-Claude Lauzon dominiert. Der Junge Léo, der sich selbst die Identität des Sizilianers Leolo Lauzone gibt, leidet unter dieser fatalen Kluft, die ihn von seiner proletarischen Umwelt, seiner ärmlichen Familie trennt. Ein schwitzender, schwergewichtiger Mann müht sich durch ein stählernes, dröhnendes Fabrikambiente: "Von ihm sagen sie, er sei mein Vater. Doch das stimmt nicht, denn dieser Mann ist wahnsinnig." |
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"Die Leute werden von mir sagen, daß ich tot bin...": Klaus Kinski |
"... und das glänzende Elend, die Langeweile unter dem garstigen Volke, das sich hier neben einander sieht! die Rangsucht unter ihnen, wie sie nur wachen und aufpassen, einander ein Schrittchen abzugewinnen ... ich kann das Menschengeschlecht nicht begreifen, das so wenig Sinn hat, um sich so platt zu prostituieren." (Johann Wolfgang Goethe) Klaus Kinski, der am 18. Oktober 1926 in Zoppot als Nikolausz Günther Naksynski geboren wird, erlebt schon während seiner schweren Kindheit in Berlin den 'Weltbeschiß': Das sogenannte Leben in der Gesellschaft entpuppt sich für ihn schnell als 'eine Mogelei'. Schon früh begreift er, daß er nur durch eigene 'Schummeleien' überleben kann. Kinski klaut sich und seiner Familie den Unterhalt zusammen. Seiner Mutter möchte er die Hurerei ersparen. Als ein Pfandleiher sie zwingt, mit ihm ins Bett zu steigen, spaltet sein Vater, 'der die Güte von Jesus Christus hat, dieser Sau mit seinen gigantischen Fäusten die Fresse wie mit einer Axt'. Die widrigen Umstände zwingen dazu, daß Kinski ins Kinderheim (das er als 'Kinderhölle' bezeichnet) gesteckt wird. |
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Mondo Bizarro - Die seltsame Welt des Brad Harris |
Der Held in tausend Gestalten Ein Mann wie ein Phantom. Unvergessen als Captain Rowland in den KOMMISSAR X-Filmen. Ein darstellerisches Spektrum, das vom klassischen Sandalenfilm bis zu billigsten Horrorfilmen reicht. Unter den zahlreichen italienischen Darstellern mit englischen Pseudonymen war Brad Harris immer der einzige echte Amerikaner. Er drehte auf fast allen Kontinenten und in allen Genres. Den ambitionierten Darsteller verschlug es von Italien über England nach Deutschland, von Thailand nach Istanbul, bis er in den frühen 80ern schließlich bei Bruce Le in Hongkong landete. Nach seiner Rückkehr verschwand der charismatische Altstar, dessen Schauspielkunst zwei prägnant eingesetzte Gesichtsausdrücke umfaßt, dezent durch die Hintertür der Filmgeschichte, nicht ohne ein unüberschaubares Gesamtwerk an Billigstproduktionen zu hinterlassen. Jedesmal wenn man glaubt, den seltsamsten Brad Harris-Film gefunden zu haben, taucht überraschend ein noch extremeres Juwel auf. |
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Little Joe - Kleiner Mann ganz groß: Joe Dallesandro |
"Little Joe never once gave it away Everybody had to pay and pay A hustle here and a hustle there New York City is the place where they say Hey babe, take a walk on the wild side" Lou Reed: "Walk on the Wild Side" Als die britische Independent-Band The Smiths 1984 ihr Debüt-Album veröffentlicht, ist auf dem Cover der nackte Oberkörper jenes Kult-Stars der 60er- und 70er Jahre zu sehen, der noch heute viele Augen zum Glänzen bringt: Joe Dallesandro. Morrissey, der schwule Sänger der stilbildenden Band aus Manchester, hatte schon immer ein Faible für "schöne" Männer und Ikonen der Gay-Szene. So war er bereits in den 70er Jahren Vorstand des englischen New York Dolls-Fanclubs und veröffentlichte Anfang der Achtziger eine Biografie über James Dean. In Folge zieren u. a. Jean Marais, Terence Stamp, Candy Darling, Truman Capote oder Alain Delon die Plattencover sämtlicher Smiths-Alben. |
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Onkel Bill ist tot: Zum Tod von William S. Burroughs |
"When I become death Death is the seed from which I grow" Am Sonnabend, den 9. August 1997 um 18:50 Uhr Ortszeit starb William Seward Burroughs in Lawrence, Kansas, USA im Lawrence Memorial Hospital an den Folgen eines Herzinfarktes. Er wurde 83 Jahre alt. Burroughs war mit seinem literarischen Werk (vor allem "Naked Lunch"), aber mehr noch mit seinem Lebenswandel, seiner Persönlichkeit, dieser unglaublichen Stimme und vor allem dem Mythos Burroughs schließlich zu einer Ikone für die Punk- und Post-Punk-Bewegung der 80er und 90er und später einfach zu einer permanenten Erscheinung in der populären Kultur geworden (bis hin zum Nike-Werbespot). Die Figur Burroughs war präsenter als das Werk. Burroughs haftete stets die Aura des Revolutionärs an, des Feindes des Establishments. Das machte ihn, neben Menschen wie Timothy Leary oder Marshall McLuhan, für die Jugendbewegung der 60er Jahre zu einer Leitfigur.Obendrein hatte er seine Frau Joan Vollmer Adams bei einem Wilhelm Tell-Spiel versehentlich erschossen und mußte dafür in Mexiko ein Bußgeld berappen. |
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Original Players: Blaxploitation Teil 1 |
Viele Jahre war es still um die Helden des Blaxploitation-Films. Die Zeit der Afro-Frisuren, markanten Black Power-Slogans und Schlaghosen schien endgültig vorbei zu sein. Spike Lee (MALCOLM X, DO THE RIGHT THING), der Star-Regisseur des New Black Cinema, fiel vor allem durch seine kategorische Ablehnung gegenüber Filmen wie SHAFT und SUPERFLY auf. Erst durch ständige Referenzen im Hip Hop erwachte auch das Interesse an früheren Stars wie Pam Grier (FOXY BROWN), Ron 'O Neal (SUPERFLY) und Richard Roundtree (SHAFT) wieder. Gangsta-Rapper wie Niggas with Attitude (NWA) und Ice-T nutzten die Vorbilder der Blaxploitation als Rohstoff für ihre Berichte über die Zustände in den Inner Cities. Es ist mit Sicherheit kein Zufall, daß Gangsta-Rap-Stars wie Ice-T, Ice Cube und der 1996 ermordete Tupac Shakur erfolgreiche Zweitkarrieren als Schauspieler starteten. Mit ihrem zweiten Album "Niggaz 4 Life" (1991) begaben sich NWA sowohl in ihren Videos (vor allem in 100 MILES AND RUNNING von 1991, in dem sämtliche Standards der Blaxploitation durchgespielt werden), als auch mit dem Hörspiel-orientierten Arrangement ihrer Songs endgültig in das Terrain von SUPERFLY und Epigonen. |
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Return of the original Players: Blaxploitation Teil 2 |
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Longtime Woman - Pam Grier
Angeblich hatte Quentin Tarantino seinen neuesten Film JACKIE BROWN nur wegen einer Person geschrieben. 1975 war sie in dem Film SHEBA BABY die "Queen of Private Eyes". Für Quentin ist sie die "Queen of Women". Auf dem Poster zu JACKIE BROWN wird sie folgerichtig, wie fünfundzwanzig Jahre zuvor in COFFY, zur "Godmother of them all... and she's back." Trotz ihres übergreifenden Kultstatus als schlagfertige, selbstbewußte Black Power-Legende präsentiert sich Pam Grier (Jahrgang 1949) in allen neueren Interviews erstaunlich down-to-earth. Sie verstehe sich nicht als Ikone. In ihren Filmen ging es ihr darum Charaktere darzustellen, die eigenständig und ohne die Hilfe eines starken Beschützers agieren. |
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Das Bildnis des Helmut Berger |
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"Das typische an mir, ich bin untypisch ganz und gar. Einmal hoch und einmal tief, einmal ausgeflippt, dann wieder straight." Falco: "America"
Ein Mann steht versonnen vor einem offenen Kleiderschrank in dem ein Dutzend ähnlicher heller Anzüge hängen, sucht sich schließlich einen aus, und beginnt sich für ein bevorstehendes Ereignis zu stylen. Die Szene, die im ersten Moment an Mickey Rourke in 9 1/2 WOCHEN erinnern mag, stammt aus dem letztjährigen Videoclip zu Blumfelds "Tausend Tränen tief". Jener Mann, dem die Hamburger Band mit ihrem Video Tribut zollt, ist niemand geringerer als Helmut Berger. Jener charismatische Ausnahmeschauspieler Helmut Berger, der einerseits unter Regie-Größen wie Luchino Visconti, Vittorio de Sica oder Joseph Losey zu schauspielerischen Glanzleistungen angespornt wurde und andererseits in Seventies-Trash- Elaboraten sein Auslangen fand. |
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Vom "Splatterpunk" zum Multimedia-Mogul der Phantastik: Clive Barker |
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Der Regisseur von HELLRAISER, dessen letztes Buch "Das Sakrament" demnächst in Deutschland veröffentlicht wird, ist wieder präsent. Kürzlich hat er einen langjährigen Vertrag mit Fox Broadcasting für mehrere abendfüllende Spielfilme und Fernsehserien abgeschlossen (darunter eine Zusammenarbeit mit Stephen King) und weitere Projekte stehen an. Grund genug, mal ein paar Worte über den Mann zu verlieren.
"Ich habe die Zukunft des Horrors gesehen - sein Name ist Clive Barker." Wer kennt sie nicht, die markigen Worte des amerikanischen Horror-Papstes Stephen King? Doch so prophetisch dieser Satz sein sollte, was Barkers heutige Popularität angeht, als so falsch sollte er sich in Bezug auf den Begriff "Horror" erweisen, zumindest was Barkers literarische Arbeiten betrifft. Denn mit Horror im Stil seiner Kollegen King oder Koontz hat der 45jährige Liverpooler zwischenzeitlich nicht mehr viel am Hut - sein letztes "richtiges" Horror-Buch ist acht Jahre alt - und nichts ärgert ihn mehr, als wenn er seine Bücher in Geschäften zwischen all den anderen, zumeist schwarz eingebundenen Exemplaren in der Horror-Abteilung stehen sieht. |
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